Laufen gegen Depressionen: MUT-Lauf Berlin 2017

Es ist nun schon einige Jahre her, dass ich das erste Mal mit Depressionen zu kämpfen begann. Damals war ich schwer magersüchtig und untergewichtig. Kein Wunder also, dass mein Körper schlichtweg nicht mehr in der Lage war, den gesunden Hirnstoffwechsel aufrechtzuerhalten. Ich verbrachte teilweise Tage mit Weinen. Mit der tiefsten Düsternis, die mir auf der Seele lag. Ich fühlte mich gelähmt damals. Das Leben war sinnlos und ich verlor den MUT. Ich hatte keine Kraft. Keine Lust mehr, aufzustehen. Um mich herum schien nur die Leere. Ich isolierte mich immer weiter – der größte und dennoch häufigste Fehler, den Depressive machen. Doch es war mir egal. Obwohl ich nie darüber nachgedacht habe, mir das Leben zu nehmen, fühlte ich mich unfähig, den Alltag zu bewältigen.

Man sagte mir, es würde aufhören, wenn ich wieder ausreichend essen und wiegen würde. Doch das tat es nicht. Vielleicht wurde es weniger. Die Phasen der Depression wurden kürzer und die Phasen des „Es-Ist-Ganz-Okey“ wurden länger. Doch im Endeffekt drehte ich mich im Kreis. Genau dieses furchtbare Gefühl, das ich hatte, wenn ich ganz akut in der Depression steckte.

Was dann folgte, das war ein jahrelanger Prozess. Ein holpriger und steiniger Weg. Aber dennoch gehörte es dazu. Immer wieder hinfallen, immer wieder aufstehen. Es begann, mein Alltag zu werden. Ich hab Einiges ausprobiert, was die Depressionen verstärkte. Und schließlich Mittel und Wege gefunden, die die Depressionen linderten. Die mir Struktur und einen Lichtblick gaben. Die meinem Körper und Geist halfen, mehr MUT und mehr Kraft zu schöpfen. Mit Sport, Bewegung, Laufen, einem stabilen Umfeld, einer guten Ernährung, Psychotherapie und letztlich auch Medikamenten fand ich einen Weg in ein stabileres Leben.

Ich war in vielen Behandlungen. Und ich bin bis heute davon überzeugt, dass es genügend körperliche Aspekte gibt, die so eine Depression begünstigen. Und auch das System, in dem wir leben, macht es nicht unbedingt einfacher. Die Gründe für Depressionen mögen auf psychischer Ebene unglaublich individuell sein. Doch auf körperlicher Ebene gibt es Dinge, die wir beeinflussen können.

Heute weiß ich nicht mehr, was mich aus diesem dunklen Kreislauf herausgeholt hat. Doch was ich weiß: Der Sport, das Laufen, mein stabiles Umfeld, meine gute Ernährung, mein offener Umgang, das Wissen, das mehr Menschen betroffen sind außer mir, und letztlich die Medikamente, die ich bekam, haben mir geholfen. Soweit geholfen, dass ich diesen Text heute schreiben und sagen kann: Das Gefühl, das ich dort oben beschrieben habe – Das Gefühl, das alles sinnlos und sich leer anfühlt – Das habe ich das letzte Mal vor Monaten oder sogar vor einem Jahr gespürt.

Der folgende Absatz enthält Werbung. 

MUT-Lauf Berlin 2017

Gemeinsam gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen. Unter diesem Motto laufen wir am 04. August 2017 auf dem Tempelhofer Feld. Gegen Depressionen. Gegen das Versteckspiel psychisch Erkrankter und gegen die Einsamkeit, die damit einhergeht. Ich möchte, dass du dabei bist. Ich möchte, dass wir gemeinsam ein Statement setzen.

„Erstens hilft Bewegung gegen alles. Zweitens wird die Depression ins Licht gerückt und enttabuisiert. Und drittens wird Hilfe angeboten. Da mache ich gerne mit.“ (Hajo Schumacher aka Achim Achilles).

Der zweite Berliner MUT-Lauf 2017 findet am 04.08.2017 von 18:30 bis 20:30 statt. Mitmachen kann jeder ab einem Startgeld von 5€. Der Lauf unterstützt mit seinen Einnahmen die Kampagne für Kinder psychiatrieerfahrener Eltern (KKPE). Zwei Stunden sind Zeit zu laufen – jeder läuft so viel und so weit, wie er oder sie es kann und möchte. Jede Runde beträgt 2 Kilometer und ist damit sogar machbar für blutige Laufanfänger. Aber auch, wenn du schon mehr und weiter läufst, freue ich mich, wenn du dabei bist! Lass uns GEMEINSAM laufen. Gemeinsam gegen Depressionen und seelische Erkrankungen.

Der Lauf liegt mir persönlich unheimlich am Herzen. Denn mit diesem Lauf können wir endlich:

a) eine breite Öffentlichkeit für das sensible Thema erreichen und
b) zeigen, dass gemeinsame Bewegung der Seele gut tut.

Als #teamlaufvernarrt möchte ich dich motivieren, dabei zu sein! Anmelden kannst du dich hier. Gib bei deiner Anmeldung einfach an, dass du zu #teamlaufvernarrt gehörst und schreib mir eine kurze E-Mail, damit wir einen Treffpunkt ausmachen können.

Übrigens findest du hier auch den Weg zur Facebook-Veranstaltung des MUT-Laufs.

Quelle: MUT-LAUF 2016 © Joanna Kosowska

Depressionen sind keine Schwäche

„Ich habe Depressionen.“ – Ein Satz, der vielen Menschen nicht so leichtfällt wie mir. Depressionen lauern überall. Es ist eine Krankheit, eine schwerwiegende Erkrankung, die absolut jeden treffen kann. Es hat nichts damit zu tun, dass du zu schwach bist. Eine Depression ist kein „Sich-Anstellen“. Eine Depression ist so etwas Ernstes. Glaube mir. Wenn du selbst nicht betroffen bist, dann sind es mindestens fünf Personen in deinem Umfeld, die Kontakt mit leichten bis mittelschweren depressiven Episoden hatten. Trotzdem spricht keiner darüber. Denn Depressionen, das ist doch eine Ausrede für Menschen, die einfach nur zu schwach sind.

„Depressionen gehören heute zu den Volkskrankheiten in Deutschland. Wie bei vielen anderen psychischen Erkrankungen auch haben die Betroffenen oftmals mit Vorurteilen und Stigmatisierung zu kämpfen. Dies erschwert den Genesungsprozess mitunter erheblich.“ (Dr. Iris Hauth (DGPPN))

Wer nicht betroffen ist, der spricht möglicherweise leichtfertig davon, eine Depression gehabt zu haben. Aber eine Depression, das ist nicht etwas, das du einfach so mit einem schlechten Tag vergleichen kannst. Eine Depression sitzt tiefer. Und sie ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung.

Laufen gegen Depressionen – Sport verbindet

Bewegung ist in jeder Behandlung auf Grund von Depressionen ein adäquates Therapiemittel. Inzwischen ist eigentlich allseits bekannt, dass Bewegung unabdingbar ist für depressive und schwer depressive Menschen. Allein durch die Hormone und Neurotransmitter, die Bewegung und Sport stimulieren, hilft Sport, die Balance wiederzufinden.

Für mich jedenfalls waren der Sport, die gesunde Ernährung und nicht zuletzt die Arbeit an meiner mentalen Fitness ausschlaggebende Faktoren in der Entwicklung meiner Depressionen. Es gibt mir Kraft, fordert mich heraus und fördert meine Struktur und Disziplin. Alles förderliche Eigenschaften, wenn man die Depressionen hinter sich lassen möchte.

Genau wie damals bei der Essstörung weiß ich nicht, ob eine komplette Heilung jemals möglich ist. Schließlich bleiben Depressionen auch Stoffwechselerkrankungen, da ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter herrscht. Wahrscheinlich bleibt immer ein gewisses erhöhtes Risiko für Rückfälle. Dennoch kann ich sagen, dass ich inzwischen so stabil bin wie die letzten Jahre es nicht hergaben.

Bist du dabei? Unterstützt du den MUT-Lauf 2017 und #teamlaufvernarrt am 04. August auf dem Tempelhofer Feld?

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6 thoughts on “Laufen gegen Depressionen: MUT-Lauf Berlin 2017

  1. Ich finde es klasse, dass du für dich gefunden hast was dir hilft um aus diesem Abgrund namens Depression herauszufinden. Sport, das Laufen, ein stabiles Umfeld, gute Ernährung … Respekt!

    Und mutig, dass du darüber schreibst. Ich versuche das auch in meinem Blog https://burnoutside.com/

    Liebe Grüße
    Roland

  2. Wenn ich das richtig verstanden hab, muss man nicht dauernd laufen sondern man kann auch zwischendurch spazieren? Ich würde gerne mitmachen als blutiger Laufanfänger…

  3. Danke Paula, dass du dieses sensible und so wichtige Thema ansprichst!

    Da ich selbst von einer psychischen Erkrankung betroffen war (und wahrscheinlich in kleinen Fragmenten immer wieder damit zu tun haben werde) ist so etwas toll zu lesen.

    Schade, dass Berlin für mich definitiv nicht so „mal eben“ zu erreichen ist – denn zu gerne hätte ich da ein Statement abgesetzt.
    Ein Zeichen dafür, dass man auch mit negativer psychischer Disposition und Vergangenheit ein erfülltes Leben führen kann <3

  4. hallo, da haben wir viel gemeinsam. Ich gehe auch sehr offen mit meiner Depression um. Ich höre meistens den Satz: „Dass DU Depressionen hast, hätte ich nie geglaubt!“. Ja, auch das gehört zum Krankheitsbild aber ich hoffe sehr, mit meiner Offenheit dazu beizutragen, dass Depressionen, Angst- und Panikerkrankungen mehr anerkannt werden. Mittlerweile konnte ich meine Medikamente absetzen, was schwieriger war, als ich dachte. Und ja, jeder Tag kann ein guter oder ein schlechter Tag werden – wobei die guten Tage immer mehr überwiegen. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich viel selbst tun kann, nicht wieder in das ganz tiefe Loch zu fallen. Dabei ist meiner Meinung nach ganz wichtig, dass ich begreife, dass die Depression ein Teil von mir ist und ich mit ihr LEBEN lerne. Zu lange habe ich gedacht, ich könnte geheilt werden. Auch ich laufe gerne und mache vielseitigen Sport, was mit sehr hilft, auch geistig in Bewegung zu bleiben. Ich habe mich zum MUT-Lauf sofort angemeldet, nachdem ich das erste Mal davon gelesen habe. Aber leider werde ich nicht mitlaufen können, weil ich eine Woche vorher einen kleinen operativen Eingriff habe. ich werde aber hingehen und würde mich freuen, Dich kennen zu lernen. Vielleicht bewegen wir alle in der Gemeinschaft noch mehr.

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