Muay Thai – Wie meine Reise beginnt

Wer lernt zu kämpfen, der lernt für sich selbst einzustehen - physisch wie psychisch. Warum ich ein halbes Jahr lang gebraucht habe, um zu meiner ersten Muay Thai Stunde zu gehen und wie plötzlich die innige Liebe zum Thaiboxen entfachte.

Es ist so weit – vor zwei Wochen habe ich nun endgültig meine Mitgliedschaft im Muay Thai Studio unterschrieben. Was heißt, dass es nun kein zurück mehr gibt. Von nun an komme ich nicht drumherum, 1-2x pro Woche mich dort in den Kampf zu stürzen, weil ich andernfalls 60€ jeden Monat aus dem Fenster schmeisse.

Doch was das Ganze überhaupt auf sich hat, warum ich damit begonnen habe und wie sich meine erste Muay Thai Stunde anfühlte, das möchte ich dir heute erzählen.

Falls dir „Muay Thai“ noch kein Begriff ist, erkläre ich dir ganz kurz, worum es hier geht. Muay Thai oder auch Thaiboxen ist der Nationalsport Thailands. Es handelt sich hierbei um eine Kampfkunst, bei der Fäuste, Ellenbogen, Knie und Schienbeine gegeneinander (oder im Training gegen Boxsack und Pratzen) eingesetzt werden. Mehr dazu erfährst du übrigens ganz bald in einem Artikel! Aber heute erstmal eine kleine Geschichte über meinen Weg bis zur ersten Muay Thai Stunde.

„Ich würde so gerne Muay Thai machen“

…sagte ich eigentlich schon mehrfach im letzten Jahr. Doch irgendwas war immer. Über meinen Freund kam ich auf den Kampfsport. Er, seit 6 Jahren Kickboxer und Boxer, motivierte mich dazu, es einfach mal auszuprobieren. Und ein paar Mal probierte ich auch. Im Laufe des letzten Jahres übten wir immer mal wieder ein paar Tritte und Schläge. Und jedes Mal war ich unglaublich begeistert. Trotzdem fand ich keine Zeit, keine Gelegenheit und irgendwie auch nicht den richtigen Kick, wirklich zu beginnen. Mit anderen Worten: Mir fehlten die richtigen Ziele und auch eine knallharte Motivation, damit zu beginnen.

Mit meinem Umzug nach Berlin war mir klar: Ich will im Studio oder Verein Muay Thai lernen. Der Plan wäre gewesen, im Januar damit loszulegen – nicht wegen der guten Vorsätze, sondern um erstmal anzukommen und es finanziell stemmen zu können. Zumal ich zu dem Zeitpunkt auch noch nichtmal wieder richtig regelmäßig im Training war und nach Bandscheibenvorfall nach wie vor gelegentlich Beschwerden hatte. Meine Motivation war allerdings nach wie vor am selben Stand wie im Sommer dafür – ich hätte Lust gehabt, Muay Thai zu machen. Aber der Wille war nicht groß genug, dafür irgendetwas anderes aufzugeben oder zu reduzieren.

Der Plan verzögerte sich noch um drei Monate. Nachdem Januar und Februar erstmal den Erkältungsviren gehörten, konnte ich im März wieder meine Grund-Fitness aufbauen. Doch irgendwie kam relativ schnell Langeweile auf in meinem Lauf- und Krafttraining. Versteh mich nicht falsch – ich LIEBE laufen. Aber mir fehlte der Kick in meinem Training. Ich hatte Sehnsucht, etwas Neues zu probieren. Ich begann mich mehr und mehr wieder mit Muay Thai auseinanderzusetzen. Begann Blogs über Muay Thai zu lesen, mir Kämpfe im Internet anzusehen und erstellte mir ein Muay Thai & Kickboxen Board auf Pinterest, auf dem ich diverse motivierende Bilder und Texte sammelte.
Und im April machte ich meinen Traum endlich wahr!

Endlich war es soweit. Nachdem ich noch ein paar Mal das erste Training nach hinten verzögert hatte („ach, jetzt bin ich aber grad frisch gepiercet….“, „heute fühl ich mich aber nicht ganz so gut….“), konnte ich mich endlich überwinden. Denn ich gebe zu: in Wahrheit hatte ich Angst vor meinem allerersten Training. Angst, dass ich entweder mich dort total blamiere, weil ich die Einzige bin, die gar nichts kann, mich in meinen Bandagen verknote oder weil meine Fitness einfach nicht ausreicht. Angst, dass ich beim ersten Mal direkt auf die Fresse bekomme oder mich verletzte.

Soll ich dir etwas sagen? Meine Angst war umsonst.

Warum ich ein halbes Jahr lang gebraucht habe, um zu meiner ersten Muay Thai Stunde zu gehen und wie plötzlich die innige Liebe zum Thaiboxen entfachte. Alles über meine Erfahrungen der ersten Einheit Thaiboxen und meine Motivation für diesen Kampfsport.

Meine erste Muay Thai Stunde

Meine erste Muay Thai Stunde war… interessant. Und ganz anders als ich erwartet hätte! Aber genial. Wir begannen in einem Kreis stehend und haben uns zunächst auf klassische thailändische Art begrüßt. Dann ging es auch direkt los mit dem intensivsten Aufwärmprogramm meines Lebens. Laufen, Seilspringen, Partnerübungen und Dehnen sowie Sit Ups, Push Ups und Kniebeugen nahezu bis zum Erbrechen. Ich bin ganz ehrlich: Schon nach dem Aufwärmen überlegte ich für einen Moment, ob ich mir das wirklich bis zum Ende antun wollte. Aber ich wollte.
Als es ans Schattenboxen ging, stand ich relativ hilflos rum. Doch glücklicherweise bekam ich sofort Unterstützung durch meine Trainerin, die mir die einfachsten Schläge und Schritte zeigte. Während die anderen direkt mit Partnerübungen weitermachten, durfte ich erstmal für mich allein weiter Schritte und Schläge in der Luft üben, bis ich schließlich an den Sandsack verfrachtet wurde. Für mich war das ein richtig optimales erstes Training. Ich musste mich nämlich einfach nur auf mich und die neuen fremdartigen Bewegungen konzentrieren. Ein paar Schläge, ein paar Schritte und die ersten Kicks. Mehr war es nicht. Aber dafür extrem anstrengend und lehrreich. Schon nach der ersten Stunde war mir klar: Ich komme wieder. Hier bin ich Zuhause und darauf hab ich Bock!

Meine Motivation – Warum Muay Thai?

Und jetzt im Laufe des Schreibens merke ich gerade: Ich hab dir immer noch nicht verraten, warum es mir nun ausgerechnet das Muay Thai so angetan hat.

Muay Thai ist bekannt dafür, ein sehr aggressiver Kampfsport zu sein. Doch meiner Ansicht nach ist das viel zu plakativ. Im Training lernst du Techniken, mit denen du jemanden verletzt. Genau deshalb musst du rücksichtsvoll mit deinen Traininspartnern umgehen. Das erfordert eine maximale Kontrolle deines Körpers und deines Geists. Es fasziniert mich, was für eine unheimliche Selbstkontrolle ein Muay Thai Kämpfer aufweisen muss, wenn er wirklich gut werden will.

Die Mischung aus körperlicher Fitness (wirklich, so eine Muay Thai Einheit ist hochintensives Training, das den ganzen Körper fordert) und mentaler Stärke ist der Wahnsinn. Und genau das, was ich gerade auf meinem persönlichen Weg brauche.

„Kämpfen“ ist in meinen Augen eine grandiose Metapher für das Leben. Es gibt immer wieder Phasen im Leben, in denen du für bestimmte Sachen kämpfen musst. Wer lernt zu kämpfen, der lernt für sich selbst einzustehen – physisch wie psychisch. Du lernst, bei dir zu bleiben und dich zu verteidigen, deine Stärken für dich einzusetzen und dir deine Schwächen einzugestehen. Die Mentalität eines Kämpfers bringt dir bei, niemals aufzugeben.

Stay tuned! Schon ganz bald folgt mein Artikel über Muay Thai Basics und diese neue Sportart wird von nun an einen festen Platz auf Laufvernarrt finden. Hast du Fragen oder Anregungen? Dann schreib gerne einen Kommentar!

3 thoughts on “Muay Thai – Wie meine Reise beginnt

  1. Uih toll das hört sich großartig an und man bekommt richtig Lust, es auch mal auszuprobieren 🙂

    Mir ging es ähnlich, als ich mit Pole Dance angefangen habe, da war ich auch hin und weg nach der ersten Stunde, weil es nochmal so komplett anders ist, als Krafttraining 🙂

  2. Danke, für diesen wunderbaren Artikel! Der hat mir gerade mehr geholfen, als du dir wahrscheinlich vorstellen kannst 🙂
    Übrigens ging´s mir nach meiner ersten Boxstunde genau so. Nach dem Aufwärmen bin ich das erste mal fast gestorben und dann während dem Training noch ein paar mal xD Aber viele Aspekte, die du aufgeschrieben hast, hab ich mir noch gar nicht bewusst gemacht. Und das hat mir gerade sehr geholfen!
    Ich wünsche dir auf jeden Fall noch viel Spaß und Erfolg dabei :*

    Liebe Grüße,
    Julia

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