Die Sache mit dem Zunehmen – Ich beende den Kampf.

Die Sache mit dem Zunehmen

„Der Tag ist gelaufen“, dachte ich heute morgen für einen Moment, als ich einen Blick in den Spiegel warf und feststellte, dass ich zugenommen haben musste. Dass von meinem vor einiger Zeit noch sichtbaren Sixpack leider nicht mehr besonders viel übrig war. Jede Frau weiß wohl, wovon ich rede, wenn ich sage: Zunehmen ist beschissen. Besonders, wenn eine Essstörungsvorgeschichte vorliegt, bleiben gewisse Macken in Punkto Körper und Körpergewicht wohl für immer erhalten. Mir ist das bewusst, deshalb wiege ich mich schon seit über einem Jahr nicht mehr.

Rational weiß ich, dass ich nicht fett sein kann, emotional fühle ich mich zeitweise furchtbar.

Ich weiß, es ist nicht nachvollziehbar für dich als mein Leser – zeige ich hier doch immer wieder mein stählernes Sixpack und meinen Astralkörper. Die Wahrheit ist: 7 Wochen Sportpause Dank Krankheit ziehen auch an mir nicht ohne Folgen vorbei. Und so gut ich es mir auch rational erklären kann und so sicher ich auch weiß, dass sich das alles biologisch erledigt, sobald ich wieder trainieren kann und so meinem Alltag folgen kann, anstatt den halben Tag im Bett zu liegen und Serien zu gucken, so sehr belastet es mich für den Moment. Weil Zunehmen in dieser Gesellschaft einfach etwas enorm Negatives ist. Und Zunehmen in meinem Kopf eines der schlimmsten Szenarien überhaupt ist.

Ich meine… ich hatte schon gemerkt, dass im Laufe der Sportpause mein Körper weicher wurde. Meinem Freund gefällt es ganz wunderbar, er sagt, dann sei mein Bauch nicht so adrig. Mh. Für mich wechselt es irgendwie zwischen „ach, es ist doch ganz okay“ und „Ich bin so fett, ich muss sofort anfangen zu trainieren und zu diäten“ und erwische mich bei diesen Bullshit-Gedanken. BITTE WAS? Bin ich nicht diejenige, die hier immer was von Selbstliebe, Regelmäßigkeit, Konsequenz und Geduld erzählt? Ja, richtig, genau das bin ich. Und da stehe ich auch 100% hinter. Eigentlich zumindest. Also rational. Die emotionale Komponente sieht das Ganze etwas anders, weshalb dieser Artikel übers Zunehmen überhaupt zustande kommt.

Mein innerer Monolog lief also einige Minuten, nachdem ich voller Unmut an meinen enormen Speckröllchen herumgefummelt hatte, bis mir klar wurde, dass ich das nicht will. Ich will mich nicht andauernd von meiner Körperform beeinflussen lassen. Und mir schon gar nicht einreden, dass diese 1 oder 2 Kilogramm, die ich möglicherweise zugenommen habe, nun ein riesiger Weltuntergang sind. Und ich weiß ganz genau, dass es nicht einfach nur meine Körperform ist, die mich grad unzufrieden stimmt – es ist doch vollkommen logisch, dass ich nach 7 Wochen Kampf mit diversen Viren, der Kündigung und dem derzeitigen Umbruch so einiges habe, was mich beschäftigt und an mir zweifeln lässt. Da ist wohl die Tatsache, dass anstelle eines Sixpacks bloss noch ein Twopack zu sehen ist, eigentlich ziemlich unbedeutend. Na ja und ungesund übergewichtig scheint es wohl noch nicht zu sein.

Ich beruhige meine Gedanken also. Kommt Zeit, kommt Rat. Nein, liebe Macke mit dem Zunehmen, diesen Kampf gewinnst du nicht. Weil ich nicht mehr kämpfen will. Eigentlich bin ich nämlich eine einigermaßen coole Socke und mein Leben nimmt Formen an, die ich genau so will. Das mit dem Sixpack – das werd ich schon wieder hinbekommen, sobald es dran ist. Und ganz augenscheinlich ist es gerade nicht die wichtigste Baustelle.

Es nervt mich – hab ich mich doch in den letzten Tagen wieder dabei ertappt, so schnell wie möglich die 1 oder 2 zugenommenen Kilos wieder abnehmen zu wollen. Dabei entspricht mir das doch längst nicht mehr! Ich weiß es besser. Ich weiß, dass regelmäßiges Essen und hartes Training wie von selbst zum Ziel führen. Und zwar ganz ohne Selbstkasteiung. Einfach nur durch Achtsamkeit, durch Selbstliebe und durch gelegentliche Überwindung des Schweinehunds, wenn er nach einem langen Arbeitstag sich mal wieder blicken lässt.

Das Ende vom Lied also: ich trenne mich von der Hose. Und bin so ehrlich zu mir, zu sagen: auch vor einem Jahr saß sie nicht perfekt und in allen anderen Klamotten ist noch nichts zu spüren. Stattdessen schmeisse ich mich in Lauftights. Danke, liebe Fitnessindustrie, dass ihr das bequemste Kleidungsstück der Welt auf den Markt gebracht habt.

Und dann widme ich mich wieder den wichtigen Dingen des Lebens, verabschiede mich von der Selbstkasteiung und halte mich an meine eigenen Philosophien: Regelmäßigkeit, Beständigkeit, hartes Training und ausgewogene Ernährung. So einfach ist das.

Den Beweis habe ich doch gerade erst im Dezember erfahren, als ich nach meiner langen Pause wegen des Bandscheibenvorfalls endlich wieder zwei Monate lang regelmäßig trainieren und essen konnte:

Wohlfühlen geht nur mit Diät und Restriktion? Ich glaube nicht! Konstanz und Regelmäßigkeit heissen die Schlüssel zum Erfolg. Zwei Monate sind vergangen seit ich endlich wieder allmählich mein Training aufbauen, an meine Limits gehen und meine Ernährung nach meinen Bedürfnissen gestalten konnte. Zwei Monate intermittierendes Fasten (14-16 Std Fasten/Tag) und durchschnittlich ca 3500 Kalorien (in den letzten Wochen sogar noch mehr) täglich plus 3x wöchentlich hartes Ganzkörpertraining, und 2-4 Einheiten Laufen, Boxen, HIIT, Yoga nach Belieben plus natürlich tägliches Fellcardio mit meinem kleinen @meisteryoda_official ? ❤️ Das Resultat? Nicht nur die Shredz machen sich durch 2% Körperfett weniger wieder bemerkbar, auch die Laune ist gut und die Energie ganz oben – denn Bewegung und Carbs sind die Schlüssel zum Glück ? (das Bild ist von Sonntag, denn: krank trainieren gibt’s bei mir nicht! Hier wird sich noch brav auskuriert ?) Outfit: @anarchyapparel_fitness | #teamconny

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Also! Schluss mit dem Blödsinn und Zeit für Fokus.

Kennst du diese Gedanken? Ich muss zugeben, dass ich es rational so viel besser weiß und dennoch ab und an ins Straucheln komme. Deshalb wollte ich heute endlich mal meine Hirngespinste mit dir teilen! Was sind deine Strategien, wenn dich mal wieder fixe Ideen dieser Art ereilen??

 

19 thoughts on “Die Sache mit dem Zunehmen – Ich beende den Kampf.

  1. Huhu ?Paula, du schreibst mir (sicher sehr vielen)aus meiner kleinen gestörten aber liebevollen Seele.Hab mein Leben lang Sport betrieben bin jetzt 43 ,seit meinem 12.Lebensjahr ernähr ich mich vegetarisch,seit 9.Jahren nun Vegan. Wirklich bewusste Ernährung immer nur in Trainingszeiten,hatte die letzten Jahre immer wieder mit Verletzungspausen zu kämpfen, da ich unteranderem Downhill liebe aber mich auch hier sehr oft über meine Verhältnisse bewege, hatte ich die letzten 5 Jahre diverse Knochenbrüche,Bänderrisse;Prellungen ..letztes Jahr den Höhepunkt beim Tough Muder ein Bakterien eingefangen was mich mit Blaulicht und Verdacht auf Meningitis fast drei Monate rausgehauen hat…Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch (Frau halt) meine Störung sah sonst so aus, auf Hastig in kurzer Zeit alles wieder aufzuholen ..in jungen Jahren „verzeiht“unser Wunder (Körper )noch relativ viel ..von null auf 10 Std Sport gepaart mit cleaner getrackten Diät am liebsten in freier Natur..Bis Verletzung mich dann wieder aufs Sofa vor den Fernseher mit 2-4Weizenbrötchen geschmiert mit Selbstmitleid rausgehauen hat.Mein Stoffwechsel ist scheinbar völig durcheinander aber shit happens,hab ich mir ja selber eingebrockt. Ich nehme mir nun die Zeit die es braucht.ich bin nun seit drei Wochen wieder im Training (gemach).Es passiert nun alles viel langsamer mit der Veränderung aber es passiert,ich war die ganze Zeit gut drauf ,da denke ich komm einmal wiegen??..tja einen kurzen Flashback gehabt,gurchgeatmet…Ich will es nun besser machen ,das Gefühl hat mich aber nicht mehr wie sonst in „Panik“ausarten lassen .Wir haben nur dieses eine Leben,auch nur diesen einen Körper,mein Ziel ist es mit 70 noch meine Einkaufstaschen allein lächelnd nach Hause zu tragen..dafür ist noch einiges in meinem Kopf zu tun?Dazu tragen deine Artikel immer wieder ein gutes Stück bei..Lieben Dank??sorry für den Roman Käthe

  2. Liebe Paula,
    vielen Dank für diese ehrlichen Worte. Wie schaffst du es nur ohne Wiegen deinen Kopf zu beruhigen? Ich kann das so unterschreiben. Alles kann noch so toll sein. Aber genau so ist es leider. Man kommt von diesem „Wahn“sinn nie richtig los. Ich denke dann auch, dass jeder doch sehen muss, wie ich zugenomnen habe und schleiche in der Arbeit über den Flur. Vor 1 Woche habe ich mir einen neuen Bikini bestellt- 1 Nummer Größer als ich aktuell trage, weil diese Dinger ja grundsätzlich klein und eng sind. Ich hab auch rein gepasst aber es sah furchtbar, da müsste ich min 10kg verlieren, habe ihne wieder zurück geschickt und 2 Nummern größer ist zu viel für mein Ego. Sich danach zu beruhigen fällt mir ebenso schwer. Man lernt aber besser damit umzugehen. Ich hoffe, dass ich es beim nächsten Mal schaffe, mir so gut zu zureden wie du. Danke für den tollen Beitrag.

  3. Was ist das Ziel Paula? Bist du dann glücklich? Evtl. Hast du sogar abgenommen wegen Gewebeumbau. Du siehst toll aus und ich sehe keinen Unterschied.
    Ich mache auch wieder Sport und ohne Sport war das Gefühl immer: du must dringend was tun. Und jetzt ist das Gefühl : du darfst nicht nachlassen, irgendwie beides stressig.
    Ich mache viel zum Thema jetzt in diesen Moment glücklich zu sein. Nicht irgendwann nachdem ich einen bestimmten Weg gegangen bin oder ein bestimmtes Ziel erreicht habe. Liebe Grüße Heike .willst du nicht Sportpsychologie studieren?

  4. Für was ein Sixpack?

    Ich hatte nach meinem Thailand Trainingslager ein schönes gutes Sixpack, hatte mich dort aber nur von Reis , Fleisch und Früchten ernährt.
    Nur für mein Selbstwert Gefühl und Selbstbewusstsein kasteien?
    Ich habe lange so gedacht wie du, dass ein Sixpack der Ausdruck für Fitness und Sport ist. In der Zwischenzeit weiß ich, dass es mit Essstörungen, kasteien und vielen Problemen verbunden ist.

    Ich lebe lieber, mache meinen Sport und bin auch so fit. Lieber einen flachen normalen Bauch mit ein bisschen mehr als ein Sixpack, die ganze Zeit krank und verletzt und damit unglücklich.

    Lg

  5. Hey Paula,
    ich kenn das auch.
    Ich habe in den letzten 7 Monaten 10 Kilo zugenommen, was echt gut war, weil ich davor ziemlich magersüchtig und untergewichtig war. Von 47 Kilo auf 57. Mindestens. Seit einem Monat wiege ich mich nicht mehr, weil ich meinem Gefühl nach sonst Gefahr laufe, wieder mit dem Hungern anzufangen. Und ich denke, das ist gut so! Es ist sehr wichtig für mich, mich vom mentalen Berechnen zu befreien (von wegen wieviel Kilo sind zu wenig oder zu viel; wie viele Kalorien darf ich essen; etc. etc.) und mehr ins Spüren und in die Verbundenheit mit meinem Körper zu gehen.
    Das mit der Kleidung ist grade voll das Thema und ich finds echt lustig, dass ich genau heute diesen Blogeintrag von dir lese, weil mein heutiges Projekt „Kleiderschrank ausmisten“ ist. Ich probiere alles an und was sich nicht gut anfühlt und zu eng sitzt kommt weg.
    Und sehr sehr vieles sitzt zu eng, da die meisten Sachen XS sind und mir das nun nicht mehr passt. Was verdammt noch mal gut ist, ich bin ja ne Frau und kein Kind, das die kleinste Größe braucht. Schließlich soll ja die Kleidung mir passen und nicht ich der Kleidung!
    Selbstliebe for the win 😉

    Alles Liebe wünsch ich dir und mir und euch ♥

  6. 3 Wochen Laufpause = 3kg bei mir…
    Für mich aber fast ok! Muss mich momentan auf die Arbeit fokussieren und ab Mitte Mai dreht sich der Zeiger wieder anders herum… solange es nicht in dem Tempo weitergeht @1kg/Woche…

  7. Erlenbachweg??? das hatte ich nicht geschrieben.. Hier nochmal mein eigentlicher Comment..

    Danke, einfach Danke.
    Du bist und bleibst der Hammer. Ich blicke auf. Kann so viel lernen und annehmen von Dir.
    Bleib wie du bist, denn Du bist wundervoll (fernab von der äußeren Hülle – die es aber auch ist!)

  8. Danke Paula für diesen grandiosen Artikel! Total toll geschrieben und ich habe mich sehr oft wieder erkannt!
    Ich sag dann immer zu mir „ey Kopf chill mal, alles wird gut“ und dann klappts auch ?
    Wünsche Dir noch einen schönen Tag ??

  9. Danke danke danke Paula.
    Diese ehrlichen Worte können einem echt motivieren. Ich finde es toll, dass du so ehrlich bist auch diese Seite preisgibst und allgemein mein pers. Auf deinem Blogg teilst! 🙂
    Ich wünsche dir einen tollen Wochenstart mit viel Kraft und Motivation.
    Liebe Grüsse

  10. Danke Paula! Mir geht es ganz ähnlich. Ich habe ein paar tolle Tagee mit Freunden und viel Essen hinter mir. Ich habe das Essen nicht bereut und es einfach genoßen. Kaum stehe ich heute morgen auf der Waage, ist mein erster Gedanke: da steht ein Kilo mehr, du musst dringend weniger essen.
    Totaler Bullshit. Als ob man meinem Körper das Kilo mehr ansieht. Das verschwindet von ganz alleine wieder, weil ich ja nicht 24/7 so esse, wie an diesen Tagen.
    Daher danke ich dir für diese tollen Worte! Die speichere ich mir ab, um sie mir an solchen Tagen wieder anschauen zu können.
    Liebe Grüße

  11. Paula, deine Blogs sind so inspirierend :). Ich habe mich gerade nach Weihnachten, weil meine zugenommenen 2 kg nicht runter wollten, waaaahnsinnig gemacht. Jetzt faste ich seit Aschermittwoch, dh. keine Waage, kein Kalorienzählen, kein Maßband. Ich nehme es auch nicht mehr so ernst mit den Makros. Mal sehen, wie lange das gut geht :).

    1. Danke liebe Katharina! Das freut mich sehr 🙂 Vielleicht ist ja die Challenge zur dauerhaften Ernährungsumstellung auch etwas für dich, um dich endlich wohler zu fühlen? 🙂

      1. Liebe Paula,
        Deine Challenge hört sich prima an – dein Selbstläuferbuch hat mich zu dem Schritt, endlich meinen Kontrollzwang abzulegen, inspiriert. Viele Dinge deiner Challenge mache ich bereits schon. Ich mache gerne mit, um ggf. andere auch mitzuziehen ?.

  12. Danke für diesen wunderbaren, ehrlichen, konstruktiven Artikel, den wahrscheinlich jede Frau dieser Welt nachvollziehen kann.
    Danke – denn nur, wenn wir uns damit offen und ehrlich auseinander setzen können und dürfen, ohne uns direkt wieder nicht mehr selbst wert zu schätzen, erst dann kann umdenken entstehen.

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